Portraitfotografie

Wie gelingen Top Portraits?


Portrait.
Authentisch und Ehrlich.

Das Thema heute ist die Portraitfotografie, denn ich werde heute noch zwei Portraits machen hier im Studio . Ich habe Anfang der Woche bei IBM in München sehr viele Portraits gemacht. Am Mittwoch hier nochmal auch Portraits im Studio und wurde tatsächlich gestern auch noch für ein Portrait Coaching angefragt. Von daher geht die ganze Woche hier komplett mehr zum Thema Portraits, und deswegen dachte ich, ich erzähle ein bisschen was über meine Erfahrung, was Portraits angeht.
Was dabei so wichtig ist und wie du es schaffst, ein gutes Portrait zu bekommen. Dazu müssen wir aber natürlich erstmal definieren. Was ist denn ein gutes Portrait? Gut ist immer Auslegungssache. Und ich möchte da auch gar nicht in deine Bildsprache oder in deinen Bild Stil reinfunken, sondern vielmehr ein bisschen darüber erzählen, wie ich arbeite und warum ich so arbeite. Davon kannst du mit Sicherheit das ein oder andere für deine Arbeit, für deine Portraits mitnehmen. Und andere Dinge kannst du natürlich auch gerne ignorieren, wenn es für dich nicht passt.

Michael Damböck
Fujifilm X-Photographer


 

  

Die Portraitfotografie

Um also zu definieren ob ein Bild gut oder schlecht ist, beziehungsweise jetzt in dem Fall natürlich, ob ein Portrait gut oder schlecht ist, muss man erstmal den Kontext des Bildes verstehen. Also für was oder für wen machst du dieses Bild? Ist es zum Beispiel ein Porträit, das du für die Person machst, die auf dem Bild drauf ist, also ein persönliches Portrait?
Oder ist es ein Business Portrait? Oder ist es vielleicht ein Portrait, das im Werbekontext eingesetzt wird? Das muss man auf jeden Fall unterscheiden, denn der Zweck ist ein ganz anderer.
Wenn ich also ein Model buche, um ein Portrait für einen Werbejob zu fotografieren, dann spielt es keine Rolle, ob sich derjenige, der auf dem Bild zu sehen ist, mit diesem Bild persönlich wohlfühlt.
Wichtig ist, dass die Message rüberkommt, das also letztendlich der Kunde, der Endverbraucher sich von diesem Bild angesprochen fühlt und zu der entsprechenden Handlung motiviert wird

Wenn es ein persönliches Portrait ist, dann ist es eigentlich genau andersrum. Dann ist ist es nicht wichtig, ob ich oder irgendjemand anderes das Bild mag. Es ist ausschließlich wichtig, dass derjenige, der das Bild bekommt, der auf dem Bild drauf ist, dass der sein Bild mag.

Also solltest du unbedingt immer die Zielgruppe im Auge behalten. Bei einem Business Portrait ist es nämlich wieder eine ganz andere Zielgruppe als bei einem persönlichen Portrait.

 

  

Authentisch

Bei allen Portraits, die nicht zur Kategorie Werbung gehören ist mein persönlicher Ansatz, dass es möglichst authentisch sein muss. Das heißt, es muss zur Person passen. Das bedeutet, ich möchte auch die Persönlichkeit in dem Bild wiederfinden. Ich möchte nicht, dass das Bild die Person falsch darstellt. Sehr häufig fragen mich Kunden, die ich Fotografiere: Was soll ich denn anziehen? Was kommt denn gut? Was sieht gut aus? Soll ich das Bild mit Brille machen oder ohne? Sieht es besser aus, wenn ich in blaues Hemd trage? Oder ist ein weißes Hemd besser? Soll ich mit dem Bart ab rasieren? Und es klingt immer sehr hart. Aber je nachdem auch wer vor mir sitzt, könnte meine Antwort zum Beispiel sein: Ist mir doch sch*** egal. Ja, das ist dann erst mal ein Schock.
Denn wie um alles in der Welt kann es mir als Fotograf egal sein?
Aber jetzt mal ganz ehrlich, mal unter uns. Es ist doch mir persönlich völlig egal, ob du auf deinem Bild einen Bart trägst oder nicht. Das ist mir total Wurscht. Wichtig ist, dass wenn du Bartträger bist, dass du auch deinen Bart für dein Bild dran lässt . Es macht doch keinen Sinn, den Bart abzurasieren, nur weil du ein Bild machst. Denn Sinn und Zweck von dem Bild ist doch, dass du dich damit vorstellt, dass man dich darin wieder erkennt. Wenn du nie ohne Bart rumläufst, wieso sollte es dann im Bild so sein? Also im Zweifelsfall immer authentisch.

Wie gesagt, in der Werbefotografie geht man hier ein bisschen anders vor. Aber für ein persönliches Portrait, auch für ein Bewerbungsbild auch für Business Portraits. Meine Herangehensweise ist: Immer authentisch bleiben.
Wenn ich also selbst vor der Kamera stehen würde, da würde ich mir nie ein Hemd mit Krawatte anziehen. Im besten Fall würde ich mir vielleicht mal ein Hemd und eine Fliege anziehen. Aber selbst ein Hemd ist für mich doch eher selten. Und wenn, dann vielleicht in Jeanshemd. Okay, damit haben wir also mal das äußere Erscheinungsbild besprochen.

 

  

Sympathie

Aber es gibt noch sehr viel mehr. Denn meiner Meinung nach entsteht die Wirkung des Bildes zu 90 Prozent durch die Mimik, durch die Körperhaltung durch Gestik. Nicht nicht durch die Kleidung. Die Kleidung rundet das Ganze ein bisschen ab. Aber letztendlich geht es bei so einem Bild ja nicht darum, wie derjenige aussieht, oder was er trägt. Es geht einfach nur um die Frage: Ist mir der Typ sympathisch oder nicht? Und ja, ich habe auch Frauen vor der Kamera. Du weißt schon, wie ich das meine…

Ja, Sympathie kannst du sowieso nicht erzwingen. Das heißt, manche Leute sind dir sympathisch, und andere sind es nicht. Wenn also jemand nicht sympathisch ist und er zieht sich die Krawatte aus, dann ist er auch nicht sympathischer als vorher . Und wenn du ihn vorher nicht angerufen hast, dann rufst du ihm nachher auch nicht an. Mein Ansatz, je unverstellter das Bild ist, desto besser. Das heißt, es darf meinetwegen stocksteif und distanziert sein. Es darf aber genauso auch bis zu den Ohren, Grinsen und lachen und strahlen. Das spielt keine Rolle, solange es zur Person passt.

 

 

Und genau deswegen mache ich vor jedem Foto erst mal nicht nur wenig, sondern teilweise auch ziemlich viel Smalltalk.Schließlich brauche ich ein Gefühl dafür. Wer sitzt mir gegenüber? Wen hab ich vor der Kamera? Und erst wenn ich das einschätzen kann, dann kann auch ein authentisches Portrait bekommen. Und genau deswegen setze ich mich mit jedem Kunden wirklich erst mal eine halbe Stunde hin, trink gemütlich nen Kaffee. Erfahre etwas über die Person. Ich stelle dabei so viele Fragen, dass ich wirklich ein Gefühl dafür bekomme, wen ich hier vor mir habe und welche Art Bild passt zu dieser Person und das hilft mir dann auch, beim Fotografieren einschätzen zu können, ob jemand wirklich so ist, wie er es oder aber sich vielleicht im Augenblick einfach vor der Kamera nicht so wohlfühlt und wo wir gerade bei wohlfühlen sind.
Nach diesem ausgiebigen Vorgespräch ist das Fotografieren wirklich noch Nebensache. Da machst du einfach noch schnell ein Bild, und die Leute sind unglaublich entspannt. Wenn du Leute sofort vor die Kamera setzt, dann sind sie viel verkrampfter. So bekommst du kein authentisches Bild.

 

  

Geheimtipp

Ich gebe dir an der Stelle nochmal einen meiner Geheimtipps mit. So geheim ist er gar nicht. Ich verrate den immer wieder. Aber es ist wirklich einer der Tipps, der unglaublich hilfreich ist: Wenn du die ersten Fotos machst, dann musst du ja meistens auch noch mal erstmal ein paar Testbilder machen. Aber auch nachdem deine Testbilder fertig sind. Und selbst wenn du keine Testbilder brauchst, weil du vielleicht Tageslicht nutzt oder ein sehr einfaches Lichtset hast. Du sagst deinem Gegenüber immer immer immer immer, dass du Testbilder machst. Und zwar dehnst diesen Test- Zeitraum durchaus etwas länger aus. Hintergrund ist, in seinem Kopf kommt an: Wir testen. das ist unverbindlich. Es ist nicht wichtig wie dieses Bild wird, und dadurch bekommst du eine unglaubliche Entspannung in die Situation. Und die Bilder, die du in diesem Testzeitraum machst, sind immer die besten Bilder. Denn wenn du sagst, der Test ist vorbei, es geht jetzt los, dann sind Leute angespannt. Glaub mir das und probier’s aus. Es funktioniert wirklich unglaublich gut. Immer ausgiebig testen. Denn wie um alles in der Welt kann es mir als Fotograf egal sein?
Aber jetzt mal ganz ehrlich, mal unter uns. Es ist doch mir persönlich völlig egal, ob du auf deinem Bild einen Bart trägst oder nicht. Das ist mir total Wurscht. Wichtig ist, dass wenn du Bartträger bist, dass du auch deinen Bart für dein Bild dran lässt . Es macht doch keinen Sinn, den Bart abzurasieren, nur weil du ein Bild machst. Denn Sinn und Zweck von dem Bild ist doch, dass du dich damit vorstellt, dass man dich darin wieder erkennt. Wenn du nie ohne Bart rumläufst, wieso sollte es dann im Bild so sein? Also im Zweifelsfall immer authentisch.

 

  

…eins noch…

Es gibt noch so viel weitere Themen, die in der Portraitfotografie wichtig sind. Zum Beispiel lasse ich auch Musik laufen beim Shooting. Musik lockert die Stimmung auf. Es ist immer komisch, wenn Totenstille einkehrt und niemand was sagt. Ganz im Ernst du kannst ja nicht Non Stop reden, das geht einfach nicht. Dabei musst du natürlich auch beobachten. Ist es die richtige Art von Musik? Aber grundsätzlich ist Musik echt ne tolle Sache und ich hab bei jedem Shoot Musik laufen und nicht, weil es der letzte Tipp ist, den ich habe in diesem Kontext, sondern einfach, um noch einen sinnvollen Tipp obendrauf zu legen: Fotografiere bitte direkt in den Computer, zum Beispiel in ein Notebook und zeigt deinem Kunden, was du tust. Das ist unglaublich wichtig. Verstecke nicht die Bilder, die du machst.

Beziehe dein Gegenüber mit ein, diskutiere mit deinem Gegenüber, ob das Bild so gut ist, wie es ist und besprecht gemeinsam, was man an dem Bild noch verändern könnte, damit es noch besser wird. Denn nur wenn der Kunde oder dein Gegenüber mit einbezogen wird, fühlt er sich wohl. Und du kannst sicherstellen, dass er am Ende mit seinem Bild auch zufrieden ist.

 

 

Letztendlich ist das ja wirklich auch für euch beide wichtig. Ich hoffe, dieser Blick in meine Art der Fotografie in meiner Art der Portraitfotografie hat dir geholfen. Vielleicht mache ich ein bisschen was anders als du. Vielleicht mach ich was anders als andere Fotografen. Und ja, vielleicht dauert das Ganze dann deutlich länger, als es normalerweise dauern würde. Aber die Erfahrung aus den letzten Jahren – ich bin ja jetzt schon seit 2007 als Fotograf selbständig – zeigt mir, dass das nicht ganz falsch sein kann. Und außerdem sprechen meine Google Bewertungen und meine Weiterempfehlungsrate doch auch dafür. Wie fotografierst du? Gib mir noch mal ein bisschen Feedback, was du in der Portraitfotografie anders machst.

 






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