Portraitfotografie · Charakter · Licht · Ausdruck

Gute
Portraitfotografie

Ein gutes Portrait entsteht selten durch perfekte Technik allein. Es entsteht, wenn Licht, Ausdruck, Haltung und Vertrauen zusammenfallen - und der Mensch auf dem Bild sich wirklich wiedererkennt.

von Michael DamböckFotograf aus StuttgartAktualisiert: September 2026

Ich fotografiere Portraits nicht, damit jemand möglichst glatt aussieht. Mich interessiert, ob ein Bild glaubwürdig ist. Ob es zur Person passt. Ob es einen Charakter zeigt, statt nur ein Gesicht sauber auszuleuchten.

Was ist ein Portraitfoto?

Ein Portraitfoto ist die fotografische Darstellung eines Menschen mit dem Ziel, Persönlichkeit, Wesen oder Ausstrahlung sichtbar zu machen. Ein Schnappschuss kann zufällig schön sein. Ein Portrait ist bewusster: Es entsteht aus Licht, Haltung, Nähe, Abstand, Kommunikation und der Entscheidung, was dieses Bild über die Person erzählen soll.

Das klingt größer als es ist. In der Praxis heißt es: Ich muss verstehen, für wen oder wofür das Bild entsteht. Ein privates Portrait, ein Businessportrait, ein Bewerbungsfoto und ein Werbeportrait werden völlig unterschiedlich bewertet.

Podcast zum Thema Portraitfotografie

Portraitfotografie im Gespräch

Episode 13: Portraitfotografie
Coffee and Cameras
Episode 13: Portraitfotografie
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Servus meine Lieben. Herzlich willkommen beim Coffee and Cameras Podcast. Mein Name ist Michael Damböck. Kaffee Nummer zwei ist heute abgehakt. Ich bin relativ spät dran. Also dafür dass 14 Uhr ist und ich erst bei Kaffee zwei bin. Aber hey es ist Freitag und am Freitag lassen wir hier im Studio alles auch etwas langsamer angehen und ich habe heute nur zwei Termine. Der nächste ist schon in einer Stunde und deswegen dachte ich komm wir machen noch schnell einen Podcast. Das Thema dieses Podcasts ist die Porträtfotografie. Passend eben zu meinen beiden Terminen heute denn ich werde heute noch zwei Porträtes machen hier im Studio. Ich habe Anfang der Woche bei IBM in München sehr viele Porträtes gemacht. Am Mittwoch hier nochmal auch Porträtes im Studio und wurde tatsächlich gestern auch noch für ein Porträt Coaching angefragt. Von daher geht die ganze Woche hier komplett zum Thema Porträtes und deswegen dachte ich ich erzähle ein bisschen was über meine Erfahrungen was Porträtes angeht was dabei so wichtig ist und wie du es schaffst ein gutes Porträt zu bekommen. Dazu müssen wir aber natürlich erst mal definieren was ist denn ein gutes Porträt und das ist mit Sicherheit auch nicht für jeden gleich. Denn gut ist immer Auslegungssache und ich möchte da auch gar nicht in deine Bildsprache oder in deinen Bildstil reinfunken sondern vielmehr ein bisschen darüber erzählen wie ich arbeite und warum ich so arbeite. Davon kannst du mit Sicherheit das eine oder andere für deine Arbeit für deine Porträtes mitnehmen und andere Dinge kannst du vielleicht natürlich auch gerne ignorieren wenn es für dich nicht passt. Um also zu definieren ob ein Bild gut oder schlecht ist beziehungsweise jetzt in dem Fall natürlich ob ein Porträt gut oder schlecht ist muss man vielleicht auch ein bisschen erst mal den Kontext des Bilds verstehen. Also für wen machst du dieses Bild? Ist es zum Beispiel ein Porträt das du für die Person machst die auf dem Bild drauf ist? Also ein persönliches Porträt oder ist es ein Businessporträt oder ist es vielleicht ein Porträt das im Werbekontext eingesetzt wird? Das muss man auf jeden Fall unterscheiden denn der Zweck ist unter Umständen ein ganz anderer. Wenn ich also ein Model buche um ein Porträt für einen Werbejob zu fotografieren dann spielt es keine Rolle ob sich derjenige der auf dem Bild zu sehen ist mit diesem Bild wohlfühlt. Wichtig ist dass die Message rüberkommt. Das also letztendlich der Kunde der Endverbraucher sich von diesem Bild angesprochen fühlt und zu der entsprechenden Handlung motiviert oder verleitet wird. So wenn es ein persönliches Porträt ist dann ist es eigentlich genau andersrum. Dann ist es nicht wichtig ob ich oder irgendjemand anderes das Bild mag. Es ist ausschließlich wichtig dass derjenige der das Bild bekommt der drauf ist dass der sein Bild mag. Also solltest du unbedingt immer die Zielgruppe im Auge behalten. Bei einem Business Porträt ist es nämlich wieder eine ganz andere Zielgruppe als bei einem persönlichen Porträt. Bei allen Porträts die nicht zur Kategorie Werbung gehören ist mein persönlicher Ansatz dass es möglichst authentisch sein muss. Das heißt es muss zur Person passen. Das bedeutet ich möchte auch ein bisschen Persönlichkeit in dem Bild wiederfinden. Ich möchte nicht dass das Bild die Person falsch darstellt. Sehr häufig fragen mich Kunden die hier porträtiert werden im Studio was soll ich denn anziehen? Was kommt denn gut? Was sieht gut aus? Soll ich das Bild mit Brille machen oder ohne? Sieht es besser aus wenn ich ein blaues Hemd trage oder ist ein weißes Hemd besser? Soll ich mit dem Bad abrasieren? Lauter solche Fragen. Und es klingt immer sehr hart aber je nachdem auch wer vor mir sitzt könnte meine Antwort zum Beispiel sein ist doch mir scheiß egal. Ja das ist dann erst mal so ein bisschen schockierend weil dann sagt der Kunde auch wie kann es dir denn egal sein? Aber jetzt mal ganz ehrlich mal unter uns. Es ist doch mir persönlich völlig egal ob du auf deinem Bild ein Bad hast oder nicht. Das ist mir total wurscht. Wichtig ist dass wenn du Badträger bist dass du auch den Bad für dieses Bild dranlässt. Es macht doch keinen Sinn den Bad abzurasieren nur weil du ein Bild machst. Denn Sinn und Zweck von dem Bild ist doch dass du dich damit vorstellst dass man dich da drin wieder erkennt. Und wenn du nie ohne Bad rumläufst wieso machst du es dann im Bild? Also im Zweifelsfall immer authentisch. Wie gesagt in der Werbefotografie geht man hier ein bisschen anders vor. Aber für ein persönliches Porträt auch für ein Bewerbungsbild auch für ein Businessporträt ist meine Herangehensweise immer authentisch zu bleiben. Wenn ich also selbst vor der Kamera stehen würde da würde ich mir nie ein Hemd mit Krawatte anziehen. Im besten Fall würde ich mir vielleicht mal ein Hemd und eine Fliege anziehen. Aber selbst ein Hemd ist für mich doch eher selten und wenn dann vielleicht ein Jeans Hemd. Okay damit haben wir also mal das äußere Erscheinungsbild besprochen. Aber es gibt noch sehr viel mehr. Denn meiner Meinung nach entsteht die Wirkung des Bildes zu 90 Prozent durch die Mimik durch die Körperhaltung durch Gestik aber nicht durch die Kleidung. Die Kleidung rundet das Ganze ein bisschen ab. Aber letztendlich geht es bei so einem Bild ja nicht darum wie derjenige aussieht sondern es geht in der Regel einfach nur darum ist mir der Typ sympathisch oder nicht. Und ja ich habe auch Frauen vor der Kamera aber ihr wisst genau was ich mein. Und die Sache ist ja die. Sympathie kannst du sowieso nicht erzwingen. Das heißt manche Leute sind dir sympathisch und andere sind es nicht. Wenn dir also jemand nicht sympathisch ist und er zieht sich die Krawatte aus dann ist er auch nicht sympathischer als vorher. Und wenn du ihn vorher nicht angerufen hast dann rufst du ihn nachher auch nicht an. Mein Ansatz ist also je unverstellter das Bild ist desto besser. Das heißt es darf meinetwegen stocksteif und distanziert sein. Es darf aber genauso auch bis zu den Ohren grinsen und lachen und strahlen. Das spielt keine Rolle. Solange es zur Person passt. Und genau deswegen mache ich vor jedem Foto erst mal wirklich nicht nur wenig sondern teilweise auch ziemlich viel Smalltalk. Ihr habt gerade gehört meine Kaffeemaschine fängt hier im Hintergrund an zu pumpen. Die braucht Aufmerksamkeit. Ihr braucht ein Gefühl dafür. Wer sitzt denn euch gegenüber? Wen habt ihr vor der Kamera? Und erst wenn ihr auch das einschätzen könnt dann könnt ihr auch ein authentisches Porträt bekommen. Und genau deswegen setze ich mich mit jedem Kunden wirklich erst mal eine halbe Stunde hin trink gemütlichen Kaffee schau ein paar Bilder an erfahr was über die Person. Ich stelle dabei so viele Fragen dass ich wirklich ein Gefühl dafür bekommen wer ist das und welche Art Bild passt zu dieser Person. Und das hilft mir dann auch beim Fotografieren einschätzen zu können ob jemand wirklich so ist wie er ist oder ob er sich vielleicht im Augenblick einfach vor der Kamera nicht so wohlfühlt. Und wo wir gerade bei wohlfühlen sind nach diesem ausgiebigen Vorgespräch ist es Fotografieren wirklich noch Nebensache. Da machst du einfach noch schnellen Bild und die Leute sind unglaublich entspannt. Wenn du Leute sofort vor die Kamera stellst dann sind sie viel verkrampfter und du kriegst kein authentisches Bild. Ich gebe euch an der Stelle nochmal einen meiner Geheimtipps mit. So geheim ist der gar nicht. Ich verrate den immer wieder aber es ist wirklich einer der Tipps der unglaublich hilfreich und effektiv ist. Und zwar machst du Folgendes. Wenn du die ersten Fotos machst dann musst du ja meistens auch nochmal erst mal ein paar Testbilder machen. Aber auch nachdem deine Testbilder fertig sind und selbst wenn du keine Testbilder brauchst weil du vielleicht Tageslicht hast oder ein sehr einfaches Lichtsetup du sagst deinem Gegenüber immer immer immer immer dass du Testbilder machst. Und zwar dienst du diese Testsession durchaus etwas länger aus. Hintergrund ist in seinem Kopf kommt an wir testen. Das ist unverbindlich. Es ist nicht wichtig wie dieses Bild wird und dadurch bekommst du eine unglaubliche Entspannung in die Situation. Und die Bilder die du in diesem Testzeitraum machst sind fast immer die besten Bilder. Weil wenn du nämlich dann sagst okay der Test ist vorbei es geht jetzt los dann sind Leute angespannt. Glaubt mir das probier es aus es funktioniert wirklich unglaublich gut. Immer ausgiebig testen. Es gibt noch so viel weitere Themen die für ein gutes Porträt wichtig sind. Zum Beispiel lasse ich auch Musik laufen beim Shooting. Immer. Lass immer Musik laufen. Weil Musik lockert die Stimmung auf. Es ist immer komisch wenn so eine toten Stille einkehrt und niemand was sagt. Und ganz im Ernst du kannst ja nicht non-stop reden. Geht einfach nicht. Dein Gegenüber soll nicht reden weil es sieht komisch aus im Bild. Also ist es einfach gut wenn ein bisschen Musik läuft. Dabei musst du natürlich auch beobachten ist es die richtige Art von Musik. Also wenn derjenige vor der Kamera anfängt hier den Headbang zu machen dann musste das vielleicht nochmal den Sender wechseln. Aber grundsätzlich ist Musik echt eine tolle Sache und ich habe bei jedem Shoot Musik laufen. Und nicht weil es der letzte Tipp ist den ich habe in diesem Kontext sondern einfach um noch einen sinnvollen Tipp oben drauf zu legen. Fotografier bitte direkt in den Computer. Zum Beispiel in den Notebook. Und zeig dem Gegenüber was du tust. Das ist unglaublich wichtig. Versteckt nicht die Bilder die du machst und gibst sie dann irgendwann zwei Wochen später als Überraschung an deinen Kunden sondern beziehe dein Gegenüber mit ein. Diskutiere mit deinem Gegenüber ob das Bild so gut ist wie es ist und bespreche gemeinsam was man an dem Bild noch verändern könnte damit es noch besser wird. Denn nur wenn der Kunde oder dein Gegenüber mit einbezogen wird fühlt er sich wohl und du kannst sicherstellen dass er sich am Ende mit seinem Bild auch wohl fühlt. Und letztendlich ist das ja wirklich auch für euch beide wichtig. Ich hoffe dieser Einblick in meine Art der Fotografie in meiner Art der Porträtfotografie hat dir geholfen? Vielleicht mache ich ein bisschen was anders als du? Vielleicht mache ich was anders als andere Fotografen? Und ja vielleicht dauert das Ganze dann deutlich länger als es normalerweise dauern würde. Aber die Erfahrung aus den letzten Jahren und ich bin ja jetzt schon seit 2007 als Fotograf selbstständig die zeigt mir dass das nicht ganz falsch sein kann. Und außerdem sprechen meine Google-Bewertungen und meine weitere Empfehlungsrate doch auch dafür. Wie fotografierst du? Gib mir doch mal ein bisschen Feedback was du in der Porträtfotografie anders machst. Vielleicht kann ich ja an der Stelle auch noch was von dir lernen. Ich freue mich auf einen Austausch. Ich freue mich wenn dir diese Folge etwas geholfen hat und dich in der Fotografie weiterbringt. Ich freue mich auch wenn du mir bei iTunes oder bei Spotify eine Bewertung für diesen Podcast hinterlässt. Und ich freue mich auf die nächste Sendung. Vielen Dank fürs Zuhören und bis bald.

Episode 13 - Portraitfotografie: Gedanken zu Licht, Ausdruck, Vertrauen und dem Moment, in dem ein Portrait aufhört, gestellt zu wirken.

1Licht muss führen, nicht nur hell machen.
2Der Fokus gehört fast immer aufs führende Auge.
3Der Hintergrund darf nicht wichtiger werden als die Person.
4Connection schlägt Posing-Checkliste.
5Technik hilft, aber sie rettet kein verkrampftes Gesicht.

Was macht ein gutes Portraitfoto aus?

Um zu bestimmen, ob ein Portrait gut oder schlecht ist, musst du zuerst den Kontext verstehen. Für wen ist das Bild? Für eine Bewerbung? Für LinkedIn? Für eine Webseite? Für eine Kampagne? Für dich selbst?

Bei einem Werbejob ist entscheidend, ob die Bildbotschaft funktioniert. Bei einem persönlichen Portrait ist es genau umgekehrt: Es ist nicht wichtig, ob mir das Bild gefällt. Entscheidend ist, ob der Mensch auf dem Foto sich darin wiedererkennt.

Deshalb ist gute Portraitfotografie nicht einfach „schönes Licht plus offene Blende“. Sie ist Menschenführung. Und die beginnt lange vor dem ersten Auslösen.

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Authentizität ist wichtiger als Technik

Bei allen Portraits, die nicht reine Werbung sind, ist mein Ansatz ziemlich einfach: Es muss echt sein. Es muss zur Person passen. Ich möchte Persönlichkeit im Bild wiederfinden und niemanden in eine Rolle drücken.

Sehr häufig fragen mich Menschen vor einem Shooting: Was soll ich anziehen? Mit oder ohne Brille? Blaues Hemd oder weiß? Bart dranlassen oder rasieren?

Meine ehrliche Antwort

Es ist mir völlig egal, ob du auf deinem Bild einen Bart trägst oder nicht. Wichtig ist nur, dass du dich darin wiedererkennst.

Wenn du im echten Leben immer Brille trägst, dann trag sie auch auf dem Bild. Wenn du niemals Krawatte trägst, musst du für ein Portrait keine Krawatte anziehen. Ein Bild wird nicht besser, nur weil es eine fremde Version von dir zeigt.

Authentisches Bewerbungsportrait mit natürlichem Ausdruck
Ein Portrait muss nicht laut sein. Oft reicht ein ruhiger Ausdruck, wenn er glaubwürdig ist.
Ungestelltes Portrait mit persönlicher Ausstrahlung
Je weniger eine Person versucht, ein Bild zu bedienen, desto stärker wird es meistens.

Welche Arten von Portraits gibt es?

Portraitfotografie ist nicht gleich Portraitfotografie. Die Art des Portraits entscheidet darüber, wie Licht, Styling, Hintergrund, Ausschnitt und Ausdruck eingesetzt werden.

Portrait vs. Bewerbungsfoto

Ein Bewerbungsfoto ist zweckgebunden. Es soll dich als passende Person für einen Job zeigen. Ein Portrait ist freier. Es darf persönlicher sein, mehr Ecken zeigen und muss keinem engen geschäftlichen Standard folgen.

In meinem Studio verschwimmen diese Grenzen oft, weil auch Bewerbungsbilder nicht steif aussehen sollen. Professionell und authentisch schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Ein Bild wirkt professioneller, wenn es nicht nach Schablone aussieht.

Kameraeinstellungen für Portraitfotos

Es gibt keine allgemeingültigen Werte, weil jedes Licht anders ist. Aber es gibt sinnvolle Startpunkte, die dir helfen, schnell zu einem guten Ergebnis zu kommen.

Mein Setup

ModusZeitautomatik, also A oder Av. Du steuerst die Blende, die Kamera die Zeit.
Blendef/1.8 bis f/2.8 für weichen Hintergrund. Im Studio oft stärker geschlossen.
FokusEinzel-AF oder Augen-AF auf das führende Auge. Schärfe im Blick ist entscheidend.
BrennweiteKlassisch funktionieren 50 bis 85 mm sehr gut. Ich gehe aber auch gern bewusst auf 23 mm an Fujifilm APS-C, also etwa 35 mm Kleinbild: näher am Menschen, mehr Umgebung, mehr Gespräch, weniger Distanz zwischen Kamera und Person.
ISOSo niedrig wie möglich, so hoch wie nötig. Rauschen ist weniger schlimm als Verwacklung.
VerschlusszeitMindestens 1/200 s als sichere Basis, bei Bewegung entsprechend kürzer.
WeißabgleichBewusst setzen, damit Hauttöne nicht zufällig zu grün, blau oder orange werden.

Technik ist wichtig. Aber die technische Seite ist nur das Fundament. Ein korrekt belichtetes Gesicht ist noch kein gutes Portrait. Entscheidend ist, wie du den Menschen im Bild führst.

Was macht ein Portrait sympathisch?

Sympathie entsteht nicht durch Kleidung, Kamera oder Retusche. Sie entsteht durch Mimik, Haltung, Gestik und das Gefühl, dass der Mensch im Bild gerade nicht schauspielert.

Das heißt nicht, dass jedes Portrait lächeln muss. Manche Menschen wirken stark, wenn sie ruhig schauen. Andere brauchen Bewegung. Wieder andere werden erst gut, wenn man sie kurz vergessen lässt, dass eine Kamera auf sie gerichtet ist.

Genau deshalb funktioniert eine starre Posing-Liste nur begrenzt. Ich kann jemandem sagen, wohin mit den Händen. Aber das Bild wird erst gut, wenn die Person nicht mehr über die Hände nachdenkt.

Warum ich vor jedem Shooting Kaffee trinke

Bevor ich überhaupt ein Portrait mache, rede ich erst einmal mit der Person. Kaffee, Smalltalk, Fragen, Zuhören. Ich brauche ein Gefühl dafür, wer vor mir sitzt.

Setzt man Menschen direkt vor die Kamera, sind sie meistens verkrampft. Nach einem Gespräch dagegen verändert sich alles. Die Person kennt den Raum, kennt mich, hat schon gelacht, hat vielleicht schon erzählt, wofür das Bild gebraucht wird. Das Fotografieren selbst wird dann fast nebensächlich.

Das ist kein Trick. Es ist Respekt. Niemand muss auf Knopfdruck natürlich aussehen können.

Mein Geheimtipp: Testbilder

Wenn ich die ersten Bilder mache, sind es oft tatsächlich Testbilder. Aber selbst nachdem technisch alles sitzt, sage ich manchmal weiter: Wir machen noch ein paar Testbilder.

Warum? Weil diese Worte im Kopf des Menschen etwas auslösen: Unverbindlichkeit. Entspannung. Kein Druck, funktionieren zu müssen. Und genau in diesem Zeitraum entstehen fast immer die besten Bilder.

Musik, Stimmung und Tethered Shooting

Ich lasse beim Shooting Musik laufen, weil Stille schnell komisch wird. Natürlich muss sie passen, aber grundsätzlich hilft sie, dass der Raum nicht zu technisch und angespannt wirkt.

Außerdem fotografiere ich sehr gern direkt in den Computer. Ich zeige Bilder, bespreche sie gemeinsam und verstecke nicht, was gerade passiert. Wenn Menschen verstehen, dass schon gute Bilder entstehen, werden sie sofort entspannter. Vertrauen wächst sichtbar.

Takeaways
  • Der Zweck eines Portraits bestimmt, wie du es bewerten solltest.
  • Authentizität schlägt Styling, wenn es um echte Menschen geht.
  • Ein gutes Gespräch vor dem Shooting ist oft wertvoller als ein weiteres Licht.
  • Testbilder nehmen Druck aus der Situation.
  • Portraitfotografie ist weniger Technikshow und mehr Beziehung.

Das sage ich oft über Portraitfotografie

Wichtig ist nur, dass du dich auf dem Bild wiedererkennst.
Je unverstellter das Bild ist, desto besser.
Nach einem guten Gespräch ist das Fotografieren fast nebensächlich.
Die besten Bilder entstehen oft im Testzeitraum.

FAQ zur Portraitfotografie

Was soll ich zum Portraitshooting anziehen?
Alles, was zu dir passt. Ruhige Farben funktionieren oft gut, aber wichtiger ist, dass du dich nicht verkleidet fühlst.
Mit oder ohne Brille?
So, wie du im echten Leben auch unterwegs bist. Wiedererkennung ist wichtiger als eine vermeintlich perfekte Variante.
Welche Brennweite eignet sich für Portraits?
Klassisch sind 50 bis 85 mm, weil sie Gesichter ruhig und natürlich wirken lassen. Ich fotografiere Portraits aber sehr gern auch mit 23 mm an Fujifilm APS-C, also ungefähr 35 mm Kleinbild. Diese Brennweite bringt mich näher an den Menschen, zeigt mehr Umgebung und verändert auch das Shooting selbst: weniger Distanz, mehr Gespräch, mehr echtes Miteinander.
Brauche ich Studiolicht?
Nein. Fensterlicht, Schatten oder eine helle Wand können großartig sein. Studiolicht gibt dir mehr Kontrolle, ist aber nicht automatisch besser.
Michael Damböck Portrait

Über den Autor

Ich bin Michael Damböck, Fotograf und Fototrainer aus Stuttgart. Seit vielen Jahren fotografiere ich Menschen, Events, Werbung und freie Projekte. In meinen Kursen und Artikeln geht es mir nicht darum, Fotografie komplizierter zu machen, sondern verständlicher, ehrlicher und praktischer.

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Fazit

Gute Portraitfotografie ist nicht die Summe aus Kamera, Objektiv und Lichtformer. Diese Dinge helfen. Aber das Bild wird erst dann stark, wenn der Mensch davor nicht wie ein Motiv behandelt wird, sondern wie jemand, der sich wiedererkennen soll.

Wenn du dir nur eine Sache merkst: Arbeite zuerst an Vertrauen, dann an Licht, dann an Technik. In genau dieser Reihenfolge.