Phase One IQ180 vs. Kleinbild

Warum Mittelformat?

Da könnte ich natürlich viele Gründe nennen – nehmen wir mal exemplarisch die 3 Top Gründe:

  1. Bildqualität
  2. Bildqualität
  3. Bildqualität

Im Ernst, was die Detailwiedergabe, und den Tonwertumfang angeht gibt es nichts vergleichbares mit Kleinbild- oder gar Cropsensor. Bei der Zusammenarbeit mit Agenturen gibt es für die meisten Jobs keine Alternative zum Mittelformat, man erwartet schlichtweg in diesem Umfeld Außergewöhnliches. Nicht nur im Bezug auf das Bild, das Licht sondern natürlich auch im Ergebnis. Aufnahmen müssen flexibel einsetzbar sein – mal als Hochformat, mal ein Crop als Querformat oder andersherum. Das ganze soll dann auch im Großformatigen Druck Top aussehen. Wie beim Shooting für DEKRA, hier wurde unser Motiv auf Hunderte LKW Rückwände gedruckt.

Gibt’s überhaupt was vergleichbares?

Ja, das gibt es – mit einigen Unterschieden im Detail. Der Markt für Mittelformatkameras ist aktuell recht überschaubar, es gibt Kameras von:

  • Hasselblad
  • Mamiya Leaf
  • Leica
  • Pentax

Leaf und Phase One bieten die selbe Hardware, laufen allerdings mit unterschiedlicher Software und werden vor allem unterschiedlich vertrieben. Leica macht natürlich genauso wie Hasselblad allein vom Namen schon was her, beides sind legendäre Marken und bieten natürlich auch dem entsprechende Qualität auf hohem Niveau. Pentax konnte rein vom Konzept mit dem fest verbauten Sensor in der Kamera nicht überzeugen – wenn auch Preislich die Pentax 645 unschlagbar ist.

Bei Phase One und Hasselblad hatte ich die Gelegenheit die Kamerasysteme unkompliziert vor dem Kauf zu testen. Allerdings hat mich das Open Platform Konzept von Phase One sowie der Kontakt zu Phase One in Verbindung mit einem astreinen Angebot für ein Demo Gerät schnell überzeugt eine Phase One zu kaufen. Gespräche mit anderen Fotografen und den Kollegen von Delight Rent in Stuttgart  bestätigten mein Bauchgefühl und machten daraus eine einfache Sache. Nicht zuletzt die Tatsache, dass Phase One Optiken mit Zentralverschluss anbietet – dazu später mehr – macht dieses System einzigartig.

Tonwertumfang

UN-GLAUB-LICH. Diese Kamera verzeiht so ziemlich alles was man während einer Belichtung falsch machen kann – abgesehen vom Verwackeln. Darum geht es aber gar nicht, wer bei der Belichtung noch viel falsch macht sollte zunächst mal fotografieren lernen :). Dennoch: Die Reserven in den Schatten und Lichtern sind enorm. Ich hatte noch keine Situation in der ich aufgrund des Kontrastes in der Szene ausgefressene Lichter oder unterbelichtete Schatten hatte. Nichteinmal im Antelope Canyon, wo die Kontraste enorm waren. 

Hier ein Beispiel einer unbearbeiteten Aufnahme:
Chanteva-00090

Und hier das fertige Bild:Chanteva-00090_

Und hier ein 100% Crop zur Einstimmung auf das Thema Auflösung:

Phase One IQ180 Sample Crop

Auflösung

Zwischen 40 und 80 Megapixel bewegt man sich im Mittelformat. Ich entschloss mich direkt in die höchste Auflösung zu investieren. 80 Megapixel sind ein Wort. 4 mal mehr als die 5D. Dem entsprechend auch rund 80 Mb pro Bild. Bei 300DPI kann man also eine Fläche von 67x85cm oder bei 150DPI eine Fläche von 135x170cm bedrucken.

 

Handhabung

Ja, mit Mittelformat zu fotografieren heißt vor allem langsamer werden und Fotos besser zu Planen. Oft heißt es auch direkt ins Notebook zu schießen – wenn technisch auch nicht Notwendig hilft es ungemein. Genau dieses langsamer werden braucht es immer wieder um einzigartige Aufnahmen einzufangen. Diese Kamera ist definitiv keine Schnappschusskamera für Sport oder Tiere oder Kinderfotos. Vor allem Anfangs liegt sie recht schwer in der Hand und kommt mit einer Festbrennweite daher, was die Flexibilität zunächst auch start einschränkt wenn man Kleinbild und Zoomobjektive gewohnt ist. Dieses Gefühl legt sich allerdings doch schnell :) Das Ausbremsen zieht sich aber bis in die Bearbeitung der Bilder – denn Mittelformat heißt „RAW ONLY“. Diese Kamera kennt kein JPG – interessiert aber auch niemand wenn man es genau nimmt.

Wann immer möglich nutze ich die Phase One auf einem Stativ – dann natürlich mit Spiegelvorauslösung und einem Drahtauslöser. 80 Megapixel sind eben auch  Verwacklungsempfindlich. Wenn man hier alles aus dem System holen möchte muss man auch alle Register ziehen.

Ein riesen-Unterschied zu anderen Kameras zeigt sich in der Bedienung. Die Phase One IQ Backs besitzen einen riesigen 3,2″ Tochscreen. Sehr praktisch, wenn eine bestimmte Bildstelle auf 100% gezeigt werden soll.

Lichtempfindlichkeit

Bei der Lichtempfindlichkeit glänzen Mittelformatkameras nicht wirklich. Mein IQ180 Rückteil hat eine Standardempfindlichkeit von ISO35.  Die Maximale Lichtempfindlichkeit beträgt ISO3200. Hier läuft das Rückteil dann allerdings „nur“ noch mit 20Megapixel. Somit ist die Kamera bestens im Studio oder auf einem Stativ aufgehoben. Aus der Hand bei schwachem Licht ist man in der Regel mit einer Kleinbildkamera besser bedient.

Autofokus

Auch der Autofokus ist nicht auf dem gleichen Stand wie man ihn aus dem Kleinbildbereich gewohnt ist. Die Phase One 645DF+ Kamera besitzt praktisch nur einen einzigen AF-Punkt in der Mitte. Dieser arbeitet allerdings extrem Präzise und kann dank AF Hilfslicht auch in völliger Dunkelheit sogar auf völlig ebene und kontrastlose Flächen fokussieren – das geht mit anderen Systemen definitiv nicht.

Blitzen

Das Phase One System ist das einzige, das eine „echte“ Blitzsynchronzeit von 1/1600s erlaubt. Damit kann man nicht nur wunderbar Umgebungslicht ausblenden, man kann dies vor allem bei offener Blende und mit vergleichsweise schwacher Blitzleistung auch ohne HSS bewerkstelligen. Das erlaubt das einfrieren von schnellen Bewegungen. Hierfür sind allerdings spezielle Funksender, Profoto Air Sync notwendig. Andere sind häufig zu langsam.  Praktisch hierbei ist, dass der Profoto Air Sync sender bereits im Hochformatgriff der Kamera integriert ist.   

Service

Technik macht Probleme – logisch. Auch meine Phase musste schon mal zum Service – allerdings mit dem Vorzug dass schon am nächsten Tag ein Ersatzgerät per UPS geliefert wurde. Das hat tatsächlich noch kein anderer Lieferant geschafft. Allerdings wäre es schön, wenn sich andere daran ein Beispiel nehmen würden. So kann ich sicher sein, dass ich jederzeit eine Einsatzfähige Kamera zur Hand habe, selbst wenn meine einmal streiken sollte.

Andere Kameras

So toll das Phase One System auch ist, so genial die Bilder aus dieser Kamera auch sind. Sie kann andere Kameras nicht immer ersetzen. Es ist teils Bequemlichkeit teils sind es zeitliche Aspekte die mich auch regelmäßig auf die 5D MKII oder die Fuji X-Pro1 zurückgreifen lassen. Letztendlich hängt es fast immer am späteren Verwendungszweck. Immer wenn ich Bilder der 5D oder der Fuji oder welcher Kamera auch immer mit den Bildern der Phase One vergleiche frage ich mich, warum ich nicht schon immer diese Kamera hatte.

Phase One IQ180 Beispielbilder

Ja, Bilder sagen definitiv mehr als Worte – vor allem bei diesem Thema.

Hier zum Überblick die Gesamte Aufnahme:
phase_fullshot
Hier ein 100% Ausschnitt der Phase One IQ180:phase_cut1

Und zum Vegleich ein 100% Ausschnitt der 5D MKII:
Canon VS Phase One

Und nochmal. Phase One:
Phase One IQ180 100% Ausschnitt

VS 5D MKII:
5D vs Phase One IQ180

Nochmal ein anderes Bild:

Dieses mal kein Vergleich mit anderen Kameras, macht ja eh keinen Sinn :)

San Francisco Golden Gate mit Phase One IQ180

Hier ein 100% Crop:100% Crop Phase One IQ180

Fashion Shooting IQ180 100% Ausschnitt Phase One IQ180

CF009917 phase_cut7

Unbenannte-Sitzung10421 phase_cut6

Die Phase One im Einsatz

Phase One IQ180 in Death Valley Phase One IQ180 im Death Valley Phase One IQ180 Phase One IQ180 at Horseshoe Bend Phase One IQ180 in Antelope Canyon Phase One IQ180 in Joshua Tree NP Phase One IQ180

One thought on “Phase One IQ180 vs. Kleinbild

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